Bauen und Sanieren
Die Zahlen sprechen für sich: Ungefähr ein Drittel der Gesamtenergie wird in Gebäuden verbraucht - vor allem für die Raumwärme bzw. für die Gebäudeklimatisierung und -kühlung. Dadurch werden 20 % der CO2-Emmissionen im Gebäudebereich verursacht. Kaum ein anderer Bereich weist einen so hohen Verbrauch auf. Allerdings sind auch in kaum einem anderen Energiebereich die Möglichkeiten Energie effizienter einzusetzen und einzusparen so hoch wie hier. Bis zu 90 % des Energiebedarfs können durch den Einsatz moderner Gebäudetechnik bei Neubauten aber auch durch fachgerechtes Sanieren eingespart werden.
Welche Möglichkeiten gibt es, die Energieeffizienz eines Gebäudes zu verbessern? Wie kann im Gebäudebereich Energie eingespart werden?
(Standard-) Niedrigenergiehaus (NEH)
Neubauten oder auch sanierte Gebäude, die den Ansprüchen der Energieeinsparverordnung (EnEV) genügen, werden als Niedrigenergiehäuser bezeichnet. Sie beschreiben keine bestimmte Bauform oder Bauweise, sondern einen bestimmten Verbrauchsstandard. Der Jahresheizenergiebedarf darf bei maximal 30-70 kWh/m2 liegen.
Diese Werte können erreicht werden mit Hilfe
- einer guten Wärmedämmung,
- der Reduzierung von Wärmebrücken,
- optimierter Heizungsanlagen
- einer energiesparenden Warmwasserbereitung und
- einer kontrollierten Wohnungslüftung.
Passivhaus
Das Passivhaus, die Erweiterung des Niedrigenergiehauses, ist der Primus unter den Energiestandards. Hier verbindet sich ein hoher Wohnkomfort mit einem sehr niedrigen Energieverbrauch.
Der Jahresheizenergiebedarf liegt bei maximal 15 kWh/m2 - also bis zu 80 % weniger (!) als die Niedrigenergiehäuser. Dieser Wert wird vor allem durch folgende Faktoren erreicht:
- Die Grundlage bildet eine ausgezeichnete Wärmedämmung, wodurch Energieverluste durch Transmission und Lüftung weitestgehend minimiert werden.
- Große Bedeutung kommt den Fenstern zu. Eine dreifache Verglasung, die Füllung mit dem Edelgas Argon oder Krypton und die Nutzung der Sonnenstrahlung zur Wärmegewinne ermöglicht hohe Energieeinsparungen.
- Die kontrollierte Wohnungslüftung ist das Herzstück und zielt primär auf eine Minimierung möglicher Lüftungswärmeverluste ab. Sie sorgt dabei für immer frische Luft und für eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung aus der Abluft. So erfolgt die Beheizung des Passivhauses zum größten Teil über diese Lüftungsanlage.
Die Raumwärme des Passivhauses wird demnach "passiv" durch die Sonne, durch innere Wärmequellen und von zurück gewonnener Wärme gesichert. Der geringe Restwärmebedarf kann prinzipiell durch beliebige Quellen bereitgestellt werden (z.B. Erdgasheizung, Fernwärme, thermische Solaranlage oder Pelletofen).
Nullenergie- und Plusenergiehaus
Bezieht ein Gebäude rechnerisch in der jährlichen Bilanz keine externe Energie (Elektrizität, Gas, Öl usw.), so wird es als Nullenergiehaus bezeichnet. Wie ist dies möglich? Die benötigte Energie (für Heizung, Warmwasser usw.) wird im bzw. am Haus selbst erzeugt. Meist erfolgt dies durch den Einsatz von Solaranlagen.
Bei einer positiven Energiebilanz, wird also sogar mehr Energie erzeugt, als selbst verbraucht wird, spricht man von einem Plusenergiehaus. Es handelt sich damit um ein Gebäude auf höchstem Passivhaus-Standard.
Zwei wesentliche Ansatzpunkte können für die die Steigerung der Energieeffizienz bzw. der Energieeinsparung im Gebäudebereich festgehalten werden:
1. Bessere Dämmung des Gebäudes: Es gilt vorrangig die Wärmeverluste über die Außenhülle des Gebäudes zu verringern. Durch Wärmedämmung der Außenwände, den Einbau einer Wärmeschutzverglasung und durch Dämmung von Dach, Kellerdecke und von Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen in nicht beheizten Räumen kann dies wirksam erreicht werden.
2. Einsatz effizienterer Technik: Effiziente Anlagentechniken erbringen hohe Ersparnisse. Sei es der Einbau neuer Fenster, der Einbau eines Brennwertkessels anstelle von Standard- oder Niedertemperaturkesseln, sei es der Einsatz neuer Lüftungssysteme oder auch die Nutzung von Anlage zur Nutzung erneuerbarer Energien - alle können den Energieverbrauch deutlich senken.
Aus dem Landtag
Öffentliches Bauen nach Maßgabe des Passivhausstandards
(04.04.2007)
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern die Staatsregierung auf, dass alle öffentlichen Vorhaben im Hochbau - auch bei indirekter Beteiligung durch Fördermittel - strengen Energievorgaben unterworfen werden müssen.
Ziel sollte es sein, den Passivhausstandard einzuhalten und die Energiebilanz CO2-neutral zu gestalten.
Zum Antrag: Drucksache 4/8442



