Hier die ersten Eindrücke vom 5. Sächsischen Klimakongress 2011
5. Sächsischer Klimakongress: „Klimawandel übertrifft alle Prognosen!“

Der Eröffnungsreferent Wilfried Küchler, Klimaforscher am Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, stellte die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel vor. Seine Ausführungen über die dramatischen Veränderungen ließen niemanden im Saal kalt: "Wir in Sachsen beobachten schon jetzt Veränderungen, die erst für die Mitte des Jahrhunderts erwartet wurden. Und das alles nur bei einer globalen Temperaturerhöhung von 0,8 Grad Celsius. Momentan kann sich niemand ausmalen, was bei einer Temperaturerhöhung von zwei bis sechs Grad Celsius in nur 100 Jahren passieren wird." Auch die CO2-Emissionen übertreffen sämtliche "worst-case-Modelle" der Wissenschaftler. Das vergangene Jahrzehnt war regional und global mit Abstand das wärmste, das jemals gemessen wurde. Die Folge ist, dass bereits jetzt Entwicklungen eingetreten sind, die in dieser Geschwindigkeit nicht vorhersehbar waren. Dazu gehört das Schmelzen des arktischen Eises, aber auch der regionale Temperaturanstieg.
Der Diplom-Meterologe warnt jedoch davor, jetzt zu resignieren: "Wenige haben oftmals viel bewegt, das ist auch heute möglich. Wir können zwar mittlerweile viele Entwicklungen durch den Klimawandel nicht mehr abwenden. Aber wenn wir jetzt handeln und unsere ganze Kraft investieren, können wir Geschwindigkeit und Ausmaß begrenzen." Deshalb wurden in den sieben Fachforen unter dem Motto „Klimaschutz-Chancen für Sachsen“ konkrete Handlungsoptionen diskutiert. Die Mobilität der Bürger und der Güterverkehr in Zeiten der Energieverknappung, sozialökologische Alternativen zum Wirtschaftswachstum, Wertschöpfung in Kommunen und die Möglichkeiten des naturverträglichen Windenergieausbaus boten spannenden Stoff für Kontroversen. Mehr als 230 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, mit anderen Wissenschaftlern, Unternehmern und interessierten Bürgern intensiv zu diskutieren.
Mit Gitarre und unkonventionellen Ideen lieferte Martin Unfried, preisgekrönter Kolumnist(utopia,Fairkehr u.a.) und Wissenschaftler (EIPOS Maastricht), einen unterhaltsamen aber auch nachdenklichen Ausklang der Veranstaltung. Er riet engagierten Klimaschützern, die emotionale Dimension des notwendigen gesellschaftlichen Wandels nicht zu vergessen.
5. Sächsischer Klimakongress am 3. Dezember 2011

- Quelle: Sueddeutsche.de "Regen im Westen, Durst in Sachsen"
Sächsische Antworten auf den Klimawandel - Wir laden Sie herzlich ein, sich zu informieren und mit uns gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Die Welt schlittert von einer großen Krise in die nächste: Atomkatastrophe, Hungersnot, Schuldenkrise. Auch der Klimawandel scheint nicht zu stoppen. Die Temperaturen steigen weiter an und die Extremereignisse nehmen zu. Im Jahr 2010 erreichten die Kohlendioxidemissionen mit 31 Milliarden Tonnen einen neuen Rekordwert. Das sind fast ein Drittel mehr als 1990.
Und hier in Sachsen? Die Zahlen zeigen uns: Es steht uns nicht an, mit dem Finger auf die USA oder China zu zeigen. Im nächsten Jahr wird in Boxberg ein neuer Kraftwerksblock in Betrieb gehen. Damit steigen die sächsischen Treibhausgas-emissionen auf 13,5 Tonnen pro Kopf. Das ist das Dreifache des globalen Durchschnitts. Dabei müssen wir, wie alle Menschen auf dieser Erde unseren Ausstoß auf 1 Tonne pro Kopf reduzieren, nur dass ist klimaverträglich.
Doch die Folgen unseres Lebensstils werden auch hier in Sachsen zunehmend spürbar. Trockene Hitze im April und häufige Starkregenfälle im Juli. Wilfried Küchler, Kurt-Schwabe-Preisträger vom Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie wird in seinem Eröffnungsvortrag über die Zunahme von Extrem-witterungsverhältnissen in Folge des Klimawandels berichten.
Und was macht der Freistaat? Nach der beschlossenen Energiewende hofft die Staatsregierung auf eine Renaissance der Braunkohle, eine Verkehrswende ist nicht in Sicht und grenzenloses Wachstum gilt als Allheilmittel für soziale Probleme.
Wir meinen: auf die drängenden globalen Fragen brauchen wir hier in Sachsen neue Antworten. Wie bekommen wir endlich mehr Güter auf die Schiene? Wie versöhnen wir Windenergie und Naturschutz? Welches Wachstum wollen wir? Wie leben wir ohne Öl?
Diese Fragen lassen sich nicht nur technisch beantworten, denn nur Zahlen und Belehrungen begeistert man die Bürgerinnen und Bürger kaum für den Klimaschutz. Der Wissenschaftler und Journalist Martin Unfried („Ökosex“, taz) wirbt deshalb zum Abschluss des Klimakongress’ für eine emotionale Kommunikationsstrategie Um den bewussten Konsum aus der Asketenecke zu holen, hat er für sich das Genre des Ökotainments erfunden.




