7. August 2007: Die Liebe zur Umwelt in Nossen

Heute besuchten wir das Ökozentrum Nossen (www.oekozentrum-nossen.com), einem Demonstrationszentrum zur Anwendung regenerativer Energien. Es befindet sich auf dem Areal der einstigen Haar- und Wollgarnspinnerei Nossen. Im Jahr 2001 kaufte der Nossener Unternehmer Rainer Liebe diese Industriebrache und richtete das Demonstrationszentrum mit Unterstützung des sächsischen Umweltministeriums ein. Zunächst wurde eine Ölpresse für kaltgepresstes Pflanzenöl zusammen mit einem großem Vorratssilo für den Raps und einem Tanklager für das fertige Öl in Betrieb genommen. Ab Sommer 2002 wurde ein Ausstellungsraum mit verschiedenen Demonstrationsanlagen eingerichtet. Am "Tag der erneuerbaren Energien" am 27.04.2003 wurde das Ökozentrum offiziell eröffnet.

Der Initiator des Projekts betreibt die LIEBE Heizungsbau GmbH, die sich ihren Schwerpunkt in der Nutzung erneuerbarer Energien hat - Heizen mit Holz bzw. Pellets oder mit Pflanzenöl, Blockheizkraftwerke oder Solaranlagen (ihre Homepage hat daher zu Recht die Adresse www.derumweltzuliebe.com).

Rainer Liebe erklärt Antje Hermenau die Ölpresse des Ökozentrums Nossen

Das in der Ölpresse aus Raps gewonnene Pflanzenöl ist zum Heizen und zum Betanken von Kraftfahrzeugen geeignet. So gehört zum Ökozentrum auch eine Pflanzenöltankstelle (81 Cent pro Liter). Der Löwenanteil des Kraftstoffes wird übrigens von LKWs bundesweit tätiger Unternehmen getankt.

Folgende voll funktionstüchtige Demonstrationsanlagen sind im Ökozentrum zu finden:

  • ein Blockheizkraftwerk, also eine Heizung, die Strom erzeugt; diese wird selbstverständlich mit Pflanzenöl betrieben und ist somit in doppelter Hinsicht umweltfreundlich;
  • eine Pflanzenöl-Heizung;
  • eine Pelletheizung (mit automatischer Beschickung aus dem Pelletsilo);
  • ein Scheitholzkessel (Vergaserkessel für ausschließliche Stückholzfeuerung);
  • eine Thermische Solaranlage (zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung);
  • eine Photovoltaikanlage als Indach-Montage
  • und die bereits erwähnte Ölpresse und Pflanzenöltankstelle.

Rainer Liebe betont, dass der im Ökozentrum verarbeitete Raps - vom Feld nebenan - stamme. Er plädiert für eine Nutzung des Rohstoffes mit Augenmaß. Die Einhaltung der Fruchtfolge würde schon manchen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Pflanzenöl sei insbesondere für die dezentrale Energieversorgung geeignet - damit wende man sich natürlich von der in Deutschland verbreiteten Gigantomanie ab. Aber Energieautarkie von Häusern sei prinzipiell möglich.

In den technischen Anlagen des Ökozentrums zeigen sich auch Perspektiven für den ländlichen Raum: Ein Landwirt produziert seinen biogenen Kraftstoff selbst, heizt damit mittels eines Blockkraftwerkes, das nebenbei Strom produziert, für den die Einspeisungsvergütung kassiert werden kann. Ein Rohstoff wie Raps wird voll ausgebeutet: Das Nebenprodukt zum Öl ist der Rapskuchen, der als Futtermittel Verwendung findet.
Pflanzenöl ist ein wichtiger Beitrag zu einem zukunftsfähigen Energiemix - steigende Öl- und Benzinpreise werden es zu einer immer attraktiveren Alternative werden lassen. Antje Hermenau und Rainer Liebe waren sich im Gespräch einig, dass die Zukunft in der regionalen Selbstversorgung liegt und nicht in der Ausbeutung von Nahrungspflanzen aus Entwicklungsländern.
Antje Hermenau zeigte sich tief beeindruckt vom Engagement Rainer Liebes  - und ermutigt!

Ökozentrum Nossen