Leipziger Klimakonferenz am 29. März 2011

Ziel erreicht?- Nein, die Arbeit fängt jetzt erst richtig an!

„Reduktion der einwohnerbezogenen CO2-Emissionen der Stadt Leipzig von 1990 bis 2010 um 50 Prozent.“ – so steht es im Stadt­ratsbeschluss von 2005.

85 Bürgerinnen und Bürger diskutierten auf der Leipziger Klimakonferenz „Leipziger Klima – energetisch korrekt in die Zukunft?“ der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Prof. Felix Ekardt forderte die Stadt auf, dort zu handeln, wo sie Gesetzgebungskompetenz habe. Dazu gehöre die Einschränkung des PKW-Verkehrs und ein Baustopp auf der grünen Wiese am Stadtrand. Jedoch seien auch europäische und globale Schritte zur Rettung des Klimas erforderlich. Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal stellte auf der Abschlussdiskussion ein neues Energie-und Klimakonzept der Stadt in Aussicht und versprach bessere Möglichkeiten der Bürgerbeteligung. Formal seien die Klimaverpflichtungen aus dem Klimabündnis mit knapp 6 Tonnen pro Kopf zwar erreicht, aber das reiche nicht aus.  Die nächsten praktischen Schritte seien jedoch schwierig wie die Diskussion um die Einführung der Umweltzone gezeigt habe. Johannes Lichdi mahnte dem entgegen konkrete Beschlüsse und Maßnahmen mit einem ambitionierten Ziel an. Die Stadt könne nicht auf die EU oder den Freistaat warten

 

Programmablauf

Forum 1: Energetische Gebäudesanierung  –  Was geht in Leipzig?

Podium (Moderation: Gisela Kallenbach, städtebaupolit. Sprecherin der Fraktion)

  • Dipl.-Ing. Andreas Naumann, Ingenieurbüro A. Naumann & H. Stahr GbR, Leipzig
  • Dipl.-Ing. Ines Giller, Prokuristin und Leiterin Baukoordinie­rung, Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH (LWB)

Das größte Potenzial zur Reduktion der CO2-Emissionen liegt im Gebäudebereich. Knapp 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in Deutschland werden im Gebäudesektor (vor allem für Warmwasser, Raumwärme bzw. für die Gebäudeklimatisierung und -kühlung) verwendet. Um die für 2050 benannten CO2-Reduktionsziele von minus 80 Prozent gegenüber 1990 zu erreichten, muss der Gebäudesektor bis 2050 durchschnittlich Passivhausstandard erreichen.
Anlass in einem Panel die Möglichkeiten und Grenzen der Energetischen Gebäudesanierung in Leipzig in den Fokus zu nehmen.
Andreas Naumann, Ingenierbüro Naumann  Stahr (Leipzig) führte  in die derzeit möglichen technischen Standards in der Bestandssanierung ein und veranschaulichte diese an verschiedenen von ihm nach höchsten energetischen Standards sanierten Gebäuden.
Ines Gillner, Prokuristin und Leiterin Baukoordinierung Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH (LWB) gab einen Überblick über den energetischen Sanierungsstand der ca. 35.000 Wohnungen im Bestand der LWB.
Dabei liegen die durchschnittlichen Werte der LWB mit unter 150 kWh/m² im Jahr unter dem sächsischen Durchschnitt. Sie problematisierte die Zwangslage ihrer Gesellschaft aus Wirtschaftlichkeitsgründen keine Energetischen Komplettsanierungen auf Passivhausstandard durchführen zu können sondern sich eher für die Sanierung in mehreren Teilschritten entscheiden zu müssen.
Kern der engagierten anschließenden Diskussion war die Frage, wie man die Vorbildprojekte, die Herr Naumann vorgestellt hatte in eine massenhafte Umsetzung überführen kann.
Zwei Probleme kamen dabei auf: Das klassische Nutzer-Investor-Dilemma im deutschen Mietwohnungsbau (die Vermieter wie die LWB dürfen jährlich nur 11% der Modernisierungskosten auf die Miete umlegen) sowie mangelnde Zuschussfinanzierung der öffentlichen Hand.
Gisela Kallenbach als Moderatorin nutzte die Gelegenheit um den Fokus auf das zweite Problem die mangelnde Förderung des Freistaates zu legen.
Dabei stellte sie einen Förderprogrammentwurf der GRÜNEN Landtagsfraktion vor, der am 16. Mai in einem Fachgespräch im Sächsischen Landtag zur Debatte gestellt wird.

 

Forum 2: Kommunale Energieversorgung der Zukunft

Podium (Moderation: Johannes Lichdi, energiepolitischer Sprecher der Fraktion) 

  • Dr. Winfried Damm, Stadtwerke Leipzig
  • Mario Götz, Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement, Universität Leipzig

Dr. Damm warb eindringlich für den weiteren Ausbau von zentraler und dezentraler Kraft-Wärme-Kopplung. So könnten die KWK-Anlagen auf Biomasse- und Gasbasis in Zukunft die Erneuerbaren Energien als Regelenergie ergänzen. Überschüssige Wärme könnte in Wärmespeichern der Stadtwerke gespeichert werden, bis sie gebraucht werde. Um Leipzig zu 100 Prozent mit EE-Strom zu versorgen seien Beteiligungen an Windparks und Biomassektraftwerken außerhalb des Stadtgebietes notwendig. In der Stadt habe Solarstrom das größte Potenzial. Mario Götz berichtete vom Forschungsprojekt Delitzsch, das bei Planungen neben der Technik auch die Sozialstruktur berücksichtigt werden müsse. Unterschiedliche Lebensstile und Einkommen hätten einen Einfluss auf die Investitionsentscheidungen der Bürger.   

 

20:15 Uhr: Abschlussdiskussion

Podium (Moderation: Jürgen Kasek, Sprecher BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Leipzig)

  • Prof. Felix Ekardt, Forschungsgruppe Nachhaltigkeit und Klimapolitik, Universität Rostock
  • Heiko Rosenthal, Umweltbürgermeister der Stadt Leipzig
  • Johannes Lichdi, energiepolitischer Sprecher, GRÜNE-Fraktion

Ziel erreicht?

„Reduktion der einwohnerbezogenen CO2-Emissionen der Stadt Leipzig von 1990 bis 2010 um 50 Prozent.“ – so steht es im Stadt­ratsbeschluss von 2005.

Leipzig hat seine Emissionen in den 90er Jahren durch neue Kraftwerke und die ökonomisch be­dingte Stilllegung alter Industrieanlagen stark reduzieren können. 2008 lag der Pro-Kopf-Ausstoß knapp unter sechs Ton­nen. Damit hat die Stadt formal ihre eigene Verpflichtung gegenüber dem Klimabündnis erreicht, wobei das Kraftwerk Lippendorf und der Flughafen nur teilweise eingerechnet sind. Das sind aber immer noch 30 Prozent über dem weltweiten Durchschnitt. Das Leipziger Langfristziel von 2,5 Tonnen pro Kopf pro Jahr bis 2050 würde nicht ausreichen, um global die Emission zu halbieren und damit das 2-Grad-Ziel einzuhalten. Wenn man nur das Kohlendioxid betrachtet, dürfte es maximal eine Tonne pro Kopf sein.

Die nächsten Schritte erscheinen also schwierig und erfordern neue Ideen. Wie die Stadt Leipzig ihren Altbaubestand energe­tisch sanieren könnte und welche Rolle die kommunale Energieversorgung in Zukunft spielen wird, sind dabei entscheidende Fragen.

 

Anmeldung

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Bitte schicken Sie uns bis zum 21. März Ihren Anmeldebogen per Fax an die Nummer 0351 / 493 48 09, per Post oder per E-Mail an: jan.stoye(at)slt.sachsen.de (Achtung: wegen technischer Probleme Email geändert!)